Schöne neue Welt

Wir haben seit über 10 Jahren mit der Post einen sogenannten „Garagenvertrag“. Auch mit Hermes. Und DPD. Ablageort: Carport. Meistens legen die Boten die Pakete direkt an der Haustüre ab – passt hier auch. In 15 Jahren ist noch niemals ein Paket verschwunden oder geklaut worden. Läuft also. Bis jetzt.

Unser Stammpostler hat wohl Urlaub. Verdient. Aber wir merken das sofort, denn dann liegen die Pakete wieder im Carport. Oder wir bekommen schon mal einen Mecker Marke „Wenn da morgen nicht ein Name an der Türe steht, liefere ich hier nix mehr ab!“. Nun hatten wir gestern einen Brief von DHL im Briefkasten, in dem uns mitgeteilt wurde, dass die Deutsche Post den Garagenvertrag widerruft. Denn der Wunschort entspräche nicht den AGB. Der Ablageort muss sich auf dem Grundstück befinden 👍, frei zugänglich sein 👍, trocken und wettergeschützt 👍 und für Dritte nicht einsehbar 🙁. Und da ist wohl das Problem, denn: natürlich sieht man unser Carport von der Straße aus. Da sind aber gute 25 Meter Entfernung, im Carport steht so viel Zeug dass man da eh nix erkennt. Aber egal, die Post legt da nix mehr ab.

Nun haben wir zwei Möglichkeiten: einen neuen Wunschort festlegen oder ein Konto für die Packstation erstellen. Naja, wir haben ja inzwischen 2 in Kappeln , also los. Ich bin nun wahrlich kein Techniknerd und neuen Dingen gegenüber aufgeschlossen, aber: ich muss da jetzt eine App installieren. Mich registrieren. Auf einen Code per Post warten. Und meine Identität von einem Zusteller bestätigen lassen. Der die Pakete seit 15 Jahren im Carport (oder an der Haustüre) ablegt, weil ich eh kaum Zuhause bin, wenn er hier durchkommt. Damit ich dann meine Pakete 8km entfernt abholen kann. Und all das muss in den nächsten 2 Wochen erledigt sein, sonst kann ich meine Pakete im Postshop in der Fußgängerzone abholen. Wo man im Sommer nicht mal einen Parkplatz bekommt.

Vielleicht denke ich doch noch mal über einen neuen Wunschablageort nach …

Caprisonne

Ach nee, heißt ja jetzt Capri Sun. Wird für mich immer Caprisonne bleiben, so wie Twix innerlich immer noch Raider ist. Auch die billige Variante vom Lidl. Caprisonne hat jedenfalls Corona. Sagt zumindest der Schnelltest. Vor ein paar Tagen flimmerte mir ein Artikel über den Bildschirm, dass Schüler das wohl herausgefunden haben und nutzen, um „ein paar Tage schulfrei zu erschwindeln, bis der PCR-Test da ist“.

Also habe ich das getestet! Ich hatte eine unvollständige Testpackung hier und das mal ausprobiert. Nur 2 Tropfen Solevita Orange und nach 2 Minuten waren 2 Striche zu sehen. Jetzt ist die Frage: Hat nur Caprisonne Corona? Haben alle Orangensäfte Corona? Sind Apfelsäfte immun? Wenn ich wieder eine Testpackung habe, bei der das Wattestäbchen oder die Flüssigkeit fehlen, dann geben wir mal dem guten Stoff eine Chance: Steinmeier Apfel-Kirsch-Saft!

Nix passiert?

Doch, einiges passiert. So Kleinigkeiten. Der Unterricht findet endlich wieder voll in Präsenz statt. Allerdings hat die Sturmwarnung für überschaubar besetzte Klassen gesorgt.

Wir dürfen ab 1.4. wahrscheinlich ohne Masken in der Schule sein! Also genau 1 Tag. Denn dann sind 2 Wochen Osterferien und ich höre schon so Sätze wie „für 2 Wochen Masken und Tests, wegen der Reiserückkehrer“ … die haben wir zu den Herbstferien vor ca. einem halben Jahr zum letzten Mal gehört – das waren verdammt lange 2 Wochen bis 1.4. dann. Aber zumindest glimmt ein schwaches Licht der Hoffnung.

Ansonsten rauscht hier die Coronawelle durch die Klassen, vor allem im Q1-Jahrgang der Großen kommen die Einschläge näher und näher und näher – aber getroffen wurde noch keiner von uns.

Und sonst? Hat der Hund gleich ein Date, um seine guten Gene hoffentlich endlich weitergeben zu können. Mal sehen, ob er sich heute besser anstellt als letztes Jahr. Ich dachte ja, das können sie automatisch, aber dem ist nicht so. Zumindest nicht bei unserem sonst so intelligenten Border Collie.

Wenn einer einen Ausflug macht …

… dann kann er was erzählen. Und rechnen. Und sich wundern. Und sich nicht mehr wundern.

Ich war heute mit meiner Klasse auf einem Ausflug an einen außerschulischen Lernort. Dieser Ort war genau 8,5km von der Schule entfernt. 10 Haltestellen mit dem Bus. Vorab bei der Autokraft informiert, ob man die Gruppe anmelden muss und was das kostet, damit ich vorab von jedem Schüler das Geld einsammeln kann. „Da nehmen Sie am besten die Kleingruppenkarte für 14€ für 5 Personen!“ Klingt gut, dachte ich mir und erkundigte mich, ob die für Hin- und Rückfahrt gelte. Ja, würde sie. Ich also ausgerechnet: 16 SchülerInnen plus 3 Begleitungen = 4 Karten (ja, das geht auch mit meinem Mathe-Abi noch!). 1 Schülerin hat eine Schülerkarte die die Strecke abdeckt, eine kann aus medizinischen Gründen keinen Bus fahren und eine hat auch eine Vergünstigung. Und eine ist krank. Also noch 12 Schüler und 2 Begleitungen, da die eine Begleitung das Kind mit den medizinischen Problemen im Auto transportieren würde. 3€ pro Nase einsammeln für 3 Karten zu ingesamt 42€, passt.

Ich musste die Fahrt für 12 Personen bezahlen, da 6 krank waren. Und eine ja die Schülerkarte hatte. Den Busfahrer gefragt, welche Tickets ich jetzt brauchen würde, er empfahl den Gruppentarif. 25,20€ für die Hinfahrt. Denn die Kleingruppenkarten würden ja für 10 Leute schon 28 € kosten und dann käme noch die Einzelfahrt für 2 Personen hinzu. Als ich dann meinte, dass Kleingruppenkarte doch hin und zurück wäre, verneinte er und erklärte, ich würde die für die Rückfahrt auch brauchen, ebenso die Gruppenkarte. Also müsste ich auf der Rückfahrt noch einmal 25,20€ bezahlen. Dann sind wir also bei 50,40€ satt geplanter 42€ und pro Nase bei 4,20€. Na gut, das decke ich mit dem Pfandflaschengeld in der Klassenkasse ab.

Nun stiegen wir nach erfolgter Besichtigung am Zielort ein, um wieder zurück zu fahren. Selbe Strecke, selbe Personengruppe. Ich also beim Busfahrer ein Gruppenticket für 12 Personen geordert. Um dann zu erfahren, dass es das nicht geben würde, nur die Kleingruppenkarte. Ich würde also nun für die Rückfahrt 33,40€ bezahlen. Der Busfahrer merkte selbst, dass das doof ist, fand aber im Ticketsystem keine Möglichkeit, mir die selbe Karte wie auf der Hinfahrt zu verkaufen. „Ich kann und will jetzt von Ihnen aber nicht mehr verlangen, als Sie für die Hinfahrt bezahlt haben! Die Autokraft lädt Sie deswegen zu dieser Fahrt ein!“ Ganz großes Kino vom Busfahrer. Und ich kann morgen jedem Teilnehmer 0,90€ ausbezahlen.

Des Rätsels Lösung: Wir sind auf der Hinfahrt im Kreis A eingestiegen und auf der Rückfahrt im Kreis B, da die Kreisgrenze genau auf der Hälfte der Strecke liegt. Kreis A hat den Gruppentarif, Kreis B wohl nicht. Ebenfalls eine Information, die mir am Telefon nicht mitgeteilt wurde.

Und jetzt verrate mir mal einer, wie man da als Lehrkraft/Gruppenleiter/Erzieher noch irgendwelche Aktivitäten vernünftig planen soll? Und wie man damit die Leute motiviert, auf den ÖPNV umzusteigen und das Auto stehen zu lassen?

Vor der Achterbahn kommt die Bewegung

2 Jahre Pandemie. Sie waren in der 7. Klasse, als die Schulwelt, die sie kannten, auf den Kopf gestellt wurde. Seitdem Lockdowns, Homeschooling, Kohortentrennung, Tests, Masken, Abstandsregeln, Verbote… Was es nicht mehr gab: Ausflüge. Aktionen. Aktivitäten. Projekte. Alles, was neben dem Unterricht die Schulzeit zum Erlebnis machte. Klassenfahrt in 9 – gestrichen. Kino? Kohortentrennung. Nichts ist mehr planbar, alles was geplant war wurde kurz vorher verboten, eingeschränkt, erschwert, unmöglich gemacht.

Nun sind einige kurz vor dem Abschluss. Das letzte Schuljahr. Und wieder droht die reine Reduzierung auf den Aufenthalt im Klassenzimmer. Wofür wir angesichts aktueller Infektionszahlen wohl noch dankbar sein dürfen. Also überlegt das Lehrerlein sich, wie es die Teenies denn bei Laune halten könnte. Und mal aus der eigenen Höhle locken, denn eingeschränktes Vereinsangebot, ausgesetzte Jugendfeuerwehren, geschlossene Aktivitäten oder Zutritt nur mit viel Aufwand – sie sind zum Großteil zu Stubenhockern und Dauerzockern mutiert. Es wäre also erstrebenswert, sie wieder vor die Türe zu bekommen.

Also fahren wir in den Hansapark, nach den Abschlussprüfungen. Bevor wir da hinfahren, müssen sie allerdings hinlaufen. Die Strecke von der Schule zum Freizeitpark. Im März. Also nicht am Stück (so irre bin nicht einmal ich), sondern jeden Tag im Schnitt 4km. Mit dem Hund spazieren gehen, Laufen, Nordic Walking, egal wie, Hauptsache Bewegung. Während manche diese Strecke problemlos zurücklegen, wird es für einige eine richtige Herausforderung. Aber nur wenn alle am 31.3. die Strecke bis zum Hansapark zurückgelegt haben, fahren wir auch hin. Ansonsten gibt es einen Aktionstag mit Mathe, Deutsch und Englisch. Und weil nicht nur ich Bewegungsmuffel vor mir sitzen habe, darf sich gleich der ganze 9. Jahrgang an der Nummer beteiligen.