Wenn einer einen Ausflug macht …

… dann kann er was erzählen. Und rechnen. Und sich wundern. Und sich nicht mehr wundern.

Ich war heute mit meiner Klasse auf einem Ausflug an einen außerschulischen Lernort. Dieser Ort war genau 8,5km von der Schule entfernt. 10 Haltestellen mit dem Bus. Vorab bei der Autokraft informiert, ob man die Gruppe anmelden muss und was das kostet, damit ich vorab von jedem Schüler das Geld einsammeln kann. „Da nehmen Sie am besten die Kleingruppenkarte für 14€ für 5 Personen!“ Klingt gut, dachte ich mir und erkundigte mich, ob die für Hin- und Rückfahrt gelte. Ja, würde sie. Ich also ausgerechnet: 16 SchülerInnen plus 3 Begleitungen = 4 Karten (ja, das geht auch mit meinem Mathe-Abi noch!). 1 Schülerin hat eine Schülerkarte die die Strecke abdeckt, eine kann aus medizinischen Gründen keinen Bus fahren und eine hat auch eine Vergünstigung. Und eine ist krank. Also noch 12 Schüler und 2 Begleitungen, da die eine Begleitung das Kind mit den medizinischen Problemen im Auto transportieren würde. 3€ pro Nase einsammeln für 3 Karten zu ingesamt 42€, passt.

Ich musste die Fahrt für 12 Personen bezahlen, da 6 krank waren. Und eine ja die Schülerkarte hatte. Den Busfahrer gefragt, welche Tickets ich jetzt brauchen würde, er empfahl den Gruppentarif. 25,20€ für die Hinfahrt. Denn die Kleingruppenkarten würden ja für 10 Leute schon 28 € kosten und dann käme noch die Einzelfahrt für 2 Personen hinzu. Als ich dann meinte, dass Kleingruppenkarte doch hin und zurück wäre, verneinte er und erklärte, ich würde die für die Rückfahrt auch brauchen, ebenso die Gruppenkarte. Also müsste ich auf der Rückfahrt noch einmal 25,20€ bezahlen. Dann sind wir also bei 50,40€ satt geplanter 42€ und pro Nase bei 4,20€. Na gut, das decke ich mit dem Pfandflaschengeld in der Klassenkasse ab.

Nun stiegen wir nach erfolgter Besichtigung am Zielort ein, um wieder zurück zu fahren. Selbe Strecke, selbe Personengruppe. Ich also beim Busfahrer ein Gruppenticket für 12 Personen geordert. Um dann zu erfahren, dass es das nicht geben würde, nur die Kleingruppenkarte. Ich würde also nun für die Rückfahrt 33,40€ bezahlen. Der Busfahrer merkte selbst, dass das doof ist, fand aber im Ticketsystem keine Möglichkeit, mir die selbe Karte wie auf der Hinfahrt zu verkaufen. „Ich kann und will jetzt von Ihnen aber nicht mehr verlangen, als Sie für die Hinfahrt bezahlt haben! Die Autokraft lädt Sie deswegen zu dieser Fahrt ein!“ Ganz großes Kino vom Busfahrer. Und ich kann morgen jedem Teilnehmer 0,90€ ausbezahlen.

Des Rätsels Lösung: Wir sind auf der Hinfahrt im Kreis A eingestiegen und auf der Rückfahrt im Kreis B, da die Kreisgrenze genau auf der Hälfte der Strecke liegt. Kreis A hat den Gruppentarif, Kreis B wohl nicht. Ebenfalls eine Information, die mir am Telefon nicht mitgeteilt wurde.

Und jetzt verrate mir mal einer, wie man da als Lehrkraft/Gruppenleiter/Erzieher noch irgendwelche Aktivitäten vernünftig planen soll? Und wie man damit die Leute motiviert, auf den ÖPNV umzusteigen und das Auto stehen zu lassen?

Vor der Achterbahn kommt die Bewegung

2 Jahre Pandemie. Sie waren in der 7. Klasse, als die Schulwelt, die sie kannten, auf den Kopf gestellt wurde. Seitdem Lockdowns, Homeschooling, Kohortentrennung, Tests, Masken, Abstandsregeln, Verbote… Was es nicht mehr gab: Ausflüge. Aktionen. Aktivitäten. Projekte. Alles, was neben dem Unterricht die Schulzeit zum Erlebnis machte. Klassenfahrt in 9 – gestrichen. Kino? Kohortentrennung. Nichts ist mehr planbar, alles was geplant war wurde kurz vorher verboten, eingeschränkt, erschwert, unmöglich gemacht.

Nun sind einige kurz vor dem Abschluss. Das letzte Schuljahr. Und wieder droht die reine Reduzierung auf den Aufenthalt im Klassenzimmer. Wofür wir angesichts aktueller Infektionszahlen wohl noch dankbar sein dürfen. Also überlegt das Lehrerlein sich, wie es die Teenies denn bei Laune halten könnte. Und mal aus der eigenen Höhle locken, denn eingeschränktes Vereinsangebot, ausgesetzte Jugendfeuerwehren, geschlossene Aktivitäten oder Zutritt nur mit viel Aufwand – sie sind zum Großteil zu Stubenhockern und Dauerzockern mutiert. Es wäre also erstrebenswert, sie wieder vor die Türe zu bekommen.

Also fahren wir in den Hansapark, nach den Abschlussprüfungen. Bevor wir da hinfahren, müssen sie allerdings hinlaufen. Die Strecke von der Schule zum Freizeitpark. Im März. Also nicht am Stück (so irre bin nicht einmal ich), sondern jeden Tag im Schnitt 4km. Mit dem Hund spazieren gehen, Laufen, Nordic Walking, egal wie, Hauptsache Bewegung. Während manche diese Strecke problemlos zurücklegen, wird es für einige eine richtige Herausforderung. Aber nur wenn alle am 31.3. die Strecke bis zum Hansapark zurückgelegt haben, fahren wir auch hin. Ansonsten gibt es einen Aktionstag mit Mathe, Deutsch und Englisch. Und weil nicht nur ich Bewegungsmuffel vor mir sitzen habe, darf sich gleich der ganze 9. Jahrgang an der Nummer beteiligen.